Überblick über Fördermittel für Existenzgründung

Fördermittel

Es gibt zahlreiche Fördermittel von Bund und Ländern, die von dem europäischen Sozialfond kofinanziert werden. Im Folgenden stellen wir die wichtigsten Förderprogramme vor, die in Deutschland von Existenzgründern beantragt werden können. Sie bestehen aus nicht zurückzahlbaren Zuschüssen sowie Darlehen mit vergünstigen Zinsen. Fördermittel können grundsätzlich nach der Art der Förderung, dem Vorhaben der Existenzgründung, der Gründungsphase und auch nach der Lebenssituation des Existenzgründers unterschieden werden.

Im Folgenden werden die Förderprogramme eingeteilt, je nachdem in welcher Phase sie greifen: VOR der Gründung oder NACH der Gründung.

Vor der Gründung:

Vorgründungsprogramme der Länder: Beratungszuschuss

Die meisten Bundesländer bieten sogenannte Vorgründungsprogramme an, die es Existenzgründern ermöglichen noch vor der eigentlichen Gründung, sei es eine Neugründung oder Nachfolge eines bestehenden Unternehmens, Zuschüsse zu Unternehmensberatungen zu erhalten. Somit wird Existenzgründern Beratungsleistungen zu allen wirtschaftlichen Themen finanziert. Insbesondere können sie die Zuschüsse für die Erstellung eines stichhaltigen Businessplans nutzen, der ihnen später bei der Bankfinanzierung sowie bei der Beantragung weiterer Fördermittel sehr hilfreich sein wird.

Die einzelnen Gründungsprogramme der Länder werden in diesem Artikel detailliert beschrieben und die genaue Höhe der Zuschüsse zum Beraterhonorar sowie die Voraussetzungen, die Sie als Existenzgründer mitbringen müssen.

EXIST-Gründerstipendium: Zuschuss für die Gründung aus der Hochschule heraus

Mit dem EXIST-Gründerstipendium können sich Studenten, Absolventen und wissenschaftliche Mitarbeiter direkt aus der Hochschule bzw. Forschung selbständig machen. Studenten müssen mindestens die Hälfte ihres Studiums absolviert haben, wissenschaftliche sowie technische Mitarbeiter an einer Hochschule oder außeruniversitären Forschungseinrichtung angestellt sein. Ehemalige, Mitarbeiter oder Absolventen, dürfen nicht länger als vor 5 Jahren ihren Abschluss gemacht haben.

Das Gründerstipendium bietet eine erste Finanzierung für die Gründungsphase. Die Antragsteller haben ein Jahr lang Zeit sich mit einem Mentor intensiv auf die Gründung vorzubereiten, die auf einer innovativen High-Tech Geschäftsidee beruhen muss. Grundlage für das innovative Produkt oder die Dienstleistung sind wissenschaftliche Erkenntnisse, die während der Tätigkeit oder Ausbildung gewonnen wurden.

Das Einstiegsgeld: Gründen aus der Arbeitslosigkeit heraus (ALG II)

Die Agentur für Arbeit bietet zwei Förderprogramme, mit denen sich Existenzgründer aus der Arbeitslosigkeit heraus selbständig machen können. Bezieher von Arbeitslosengeld II können das Einstiegsgeld beantragen. Für maximal 2 Jahre wird das ALG II, ein Wohnungszuschuss sowie ein monatlicher Grundbetrag sowie eventuell ein Ergänzungsbetrag gezahlt. Es muss ein hauptberufliche selbstständige Tätigkeit angestrebt werden. Der Antragsteller braucht einen Businessplan und einen Lebenslauf. Ein Unternehmensberater sollte die fachliche und persönliche Eignung des Bewerbers belegen.

Der Gründungszuschuss: Gründen aus der Arbeitslosigkeit heraus (ALG I)

ALG I-Bezieher können zur Beendigung ihrer Arbeitslosigkeit, mit dem Gründungszuschuss den Start in die Selbstständigkeit wagen. Der Gesamtförderzeitraum beträgt maximal 15 Monate. Ein Businessplan sowie eine Tragfähigkeitsbescheinigung, ein Finanzkonzept, Liquiditätsplanung und eine Rentabilitätsvorschau müssen bei dem Sachbearbeiter vorgelegt werden. Die genauen Bedingungen finden sie in diesem Magazin-Artikel.

Nach der Gründung:

Bei den folgenden Förderprogrammen handelt es sich um Programme, die nach der Gründung, der eigentlichen Aufnahme der Geschäftstätigkeit, vom Gründer beantragt werden können. Der Gründer muss ein kleines oder mittleres Unternehmen nach der EU-KMU-Definition sein.

Förderung unternehmerischen Know-hows: Beratungszuschuss vom BAFA

Das Förderprogramm ‚Förderung unternehmerischen Know-hows‘ ist ein Beratungszuschuss vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Gefördert werden Beratungsleistungen, die kleine und mittlere Unternehmen in Anspruch nehmen. Den Zuschuss zum Honorar des Unternehmensberaters für Beratungsleistungen können Jungunternehmen beantragen, die nicht länger als zwei Jahre am Markt sind. Den Bundesländern werden verschiedene Prozente zugewiesen. Die Bemessungsgrundlage von 4000€ ist bei allen gleich.

Vor und nach der Gründung:

Die nachfolgenden KFW-Darlehen können sowohl vor der Gründung von Existenzgründern als auch nach der Gründung von KMU über ihre Hausbank beantragt werden.

ERP-Gründerkredit StartGeld: KFW Darlehen

Der Gründer-Kredit StartGeld ist bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bis zu 5 Jahre nach der Existenzgründung von kleinen und mittleren Unternehmen zu beantragen. Das Darlehen kann sich auf 100.000€ belaufen. Die Beantragung erfolgt über die Hausbank. Die genauen Konditionen und Voraussetzungen werden in diesem Artikel dargelegt.

ERP-Kapital für Gründung: KFW Darlehen

Das ERP-Kapital für Gründung von der KfW Mittelstandsbank kann von Existenzgründern noch vor der Aufnahme der Geschäftstätigkeit beantragt werden. Die Geschäftsidee muss erfolgversprechend sein und durch einen gut durchdachten Businessplan belegt werden. Das Darlehen kann sich auf maximal 500.000€ belaufen. Das ERP-Kapital für Gründung bietet auch bereits Selbstständigen und KMU, die noch keine 3 Jahre am Markt sind, ein gefördertes Nachrang-Darlehen an. Die KfW gewährt der Hausbank eine 100-prozentige Haftungsfreistellung.

ERP-Gründerkredit Universell: KFW Darlehen

Der ERP-Gründerkredit Universell gilt für Existenzgründer, Unternehmensnachfolger, Selbständige und junge mittelständische Unternehmen, die noch keine 5 Jahre am Markt tätig sind und kann auch für Vorhaben im Ausland genutzt werden. Der Kredithöchstbetrag beläuft sich auf 25 Millionen€.

Stand:06.2016

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